MO Editorial
Liebe Leser:innen,
schon wieder dieses LGBTIQ-Thema in den Medien? Ja, unbedingt! Denn es gibt immer noch viel zu erzählen. Wussten Sie zum Beispiel, dass der literarische Kanon zahlreiche queere Stimmen beinhaltet? Dass es in Ungarn versteckte Tanzstudios für queere Menschen gibt? Dass in Innsbruck das zweite queere Jugendzentrum Österreichs eröffnet wurde? Oder dass Kinder ihre sexuelle Orientierung oft schon in sehr jungen Jahren wahrnehmen? In unserem aktuellen Schwerpunkt beleuchten wir außerdem, wie insbesondere von rechter und konservativ-religiöser Seite Stimmung gegen queere Menschen gemacht wird. Wer einen Blick in die Netzwerke hinter diesen Kampagnen wirft, erkennt, warum LGBTIQ so häufig zum Aufregerthema und Feindbild stilisiert wird. Doch worum geht es eigentlich? Queere Menschen wollen selbstbestimmt und gleichberechtigt leben und lieben. Dass sie dabei gesellschaftliche Rollenbilder ebenso wie Selbst- und Fremdwahrnehmungen infrage stellen, kann irritieren. Vielleicht liegt genau darin aber auch eine Einladung zum Perspektivwechsel.
Wie oft bei viel diskutierten Themen stellte sich auch dieses Mal in unserer Redaktion die Frage nach der richtigen Sprache: Welche Begriffe verwenden wir? Wie gehen wir mit aktuellen Entwicklungen um? Wo respektieren wir das Recht auf Selbstbezeichnung und wo riskieren wir, Verständlichkeit zu verlieren? Wir haben uns entschieden, ausgewählte Begriffe zum Verständnis dort zu erklären, wo es sinnvoll erscheint. Die Erläuterungen finden Sie bei den jeweiligen Artikeln. Ich wünsche Ihnen eine anregende Lektüre – mit Neugier, Freude und Offenheit.
Milena Österreicher, Chefredakteurin
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Gut zu wissen:
LGBTIQ steht für lesbisch, schwul (gay), bisexuell, trans, intergeschlechtlich und queer. LGBTIQA+ ist eine Erweiterung und umfasst auch aromantisch, agender und weitere Formen der sexuellen Orientierung und geschlechtlicher Identitäten.
Queer ist ein offener Sammelbegriff und eine Selbstbezeichnung, die unterschiedliche sexuelle Orientierungen und geschlechtliche Identitäten umfasst. Das englische Wort „queer“ bedeutete ursprünglich „sonderbar“ oder „andersartig“ und wurde als Schimpfwort benutzt. Seit den 1980er- und 1990er-Jahren wurde der Begriff von der Community zurückerobert und positiv umgedeutet. Queer kann aber auch eine politische Haltung beschreiben: das bewusste Hinterfragen gesellschaftlicher Normen zu Geschlecht, Sexualität und Beziehungen.



